Architektur des Berliner Fernsehturms: Bauweise und Konstruktion
Erfahren Sie, wie der Berliner Fernsehturm zwischen 1965 und 1969 errichtet wurde: vom vergleichsweise flachen Fundament über den 248,78 Meter hohen Stahlbetonschaft bis zur Montage der 32 Meter großen Turmkugel.
- Bauzeit von 1965 bis 1969
- 368,03 Meter Gesamthöhe
- Turmkugel mit sieben Geschossen
- Architektur und Ingenieurbau der DDR-Moderne
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Der Berliner Fernsehturm verbindet Sendetechnik, Aussichtsnutzung, Gastronomie und städtebauliche Repräsentation in einem Bauwerk. Er wurde von 1965 bis 1969 im Zentrum Ost-Berlins errichtet und war von Beginn an zugleich Funktionsbau und weithin sichtbare Dominante der DDR-Hauptstadtplanung. Die politischen und historischen Hintergründe werden in der Geschichte des Berliner Fernsehturms ausführlich erklärt.
Seine äußere Form wird durch drei Bauteile bestimmt: den sich nach oben verjüngenden Stahlbetonschaft, die kugelförmige Geschosskonstruktion in rund 200 Metern Höhe und den darüber aufragenden Antennenträger. Die Turmkugel nimmt neben technischen Einrichtungen auch die Aussichtsplattform und das Drehrestaurant auf.
Zur geschützten Gesamtanlage gehören nicht nur der Turm selbst, sondern auch die flachen Pavillonbauten am Fuß und die umgebenden Freiflächen mit Beeten, Wasserkaskaden und Grünanlagen.
Kurzüberblick
Architektur des Berliner Fernsehturms auf einen Blick
Der Berliner Fernsehturm entstand als Fernseh- und Rundfunkturm sowie als städtebaulicher Orientierungspunkt im neu gestalteten Zentrum Ost-Berlins. Der Stahlbetonschaft trägt eine 32 Meter große Kugel mit sieben Geschossen. Darüber befindet sich der Antennenträger, durch den das Bauwerk seine heutige Höhe von 368,03 Metern erreicht.
Die Kugel wurde nicht vollständig in großer Höhe gebaut. Ihr tragendes Stahlgerüst wurde zunächst am Boden vormontiert, anschließend in Segmente zerlegt und mit Kränen auf das Tragepodest am oberen Ende des Schafts gehoben.
Fakten
- 1965–1969 – Bauzeit
- 368,03 m – heutige Gesamthöhe
- 248,78 m – Höhe des Turmschafts
- 32 m – Durchmesser der Turmkugel
- 203,78 m – Höhe der Aussichtsplattform
- 207,53 m – Höhe des Drehrestaurants
Inhaltsverzeichnis
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Entwurf und umstrittene Urheberschaft
Die Gestaltung des Berliner Fernsehturms lässt sich nicht eindeutig einer einzelnen Person zuschreiben. Hermann Henselmann entwickelte bereits 1959 mit seinem nicht ausgeführten „Turm der Signale“ eine wichtige gestalterische Voridee. Der Entwurf sah einen schlanken Turm mit einer kugelförmigen Bekrönung vor und beeinflusste die spätere Planung für das Berliner Stadtzentrum.
In zeitgenössischen Fachveröffentlichungen wurden Fritz Dieter und Günter Franke als Entwerfer des ausgeführten Turms genannt. Hermann Henselmann wurde dort als künstlerischer Berater aufgeführt, betrachtete sich jedoch selbst als Autor des Gesamtentwurfs. Auch Gerhard Kosel, der zeitweise die Gesamtleitung des Projekts innehatte, beanspruchte später eine maßgebliche Urheberschaft.
Der Fernsehturm sollte deshalb nicht als Werk eines einzelnen Architekten dargestellt werden. Er entstand in einem komplexen Planungsprozess, an dem Architekten, Bauingenieure, Fachplaner und staatliche Institutionen beteiligt waren. Das Landesdenkmalamt Berlin bezeichnet die genaue Autorenschaft ausdrücklich als umstritten.
Bau des Berliner Fernsehturms von 1965 bis 1969
Die Arbeiten am Fundament begannen im August 1965. Im März 1966 setzte die Betonierung des Turmfußes und anschließend des Schafts ein. Bereits im Oktober 1966 war die Marke von 100 Metern erreicht; im Juni 1967 hatte der Stahlbetonschaft seine endgültige Höhe von 248,78 Metern.
Parallel dazu wurde die Konstruktion der Turmkugel vorbereitet. Ihr Stahlgerüst wurde zunächst am Boden probeweise zusammengesetzt. Die einzelnen Bauteile wurden anschließend mit Kränen auf rund 200 Meter Höhe gehoben und auf dem ringförmigen Tragepodest montiert. Nach der Fertigstellung der Kugel und des Antennenträgers folgte der Innenausbau.
Im Oktober 1969 wurde der Fernsehturm in Betrieb genommen. Seine ursprüngliche Höhe lag bei ungefähr 365 Metern. Durch den Umbau der Antennenanlage im Jahr 1997 erhöhte sich die Gesamthöhe auf 368,03 Meter.
Fundament und Stahlbetonschaft
Der Fernsehturm steht auf einem ringförmigen Fundament mit einem Außendurchmesser von rund 42 Metern. Wegen der tragfähigen Kies- und Sandschichten am Standort konnte das Fundament im Verhältnis zur Höhe des Bauwerks vergleichsweise flach ausgeführt werden. Die Gründung reicht je nach Bereich ungefähr 2,70 bis 5,80 Meter in den Boden.
Über dem Fundament erhebt sich der 248,78 Meter hohe Stahlbetonschaft. Sein Durchmesser verringert sich von etwa 16 Metern im unteren Bereich auf rund 9 Meter am oberen Ende. Diese Verjüngung reduziert das Gewicht und verleiht dem Turm seine schlanke Silhouette.
Der Schaft wurde in Kletterbauweise errichtet. Dabei wuchs die innere Stahlkonstruktion jeweils etwas schneller als die äußere Betonhülle. Im Inneren befinden sich unter anderem die Aufzüge, Versorgungsleitungen, Kabelschächte und die Nottreppe.
Der Betonschaft wiegt ungefähr 26.000 Tonnen. Für seine Konstruktion wurden rund 8.000 Kubikmeter Beton verarbeitet.
Montage und Aufbau der Turmkugel
Die Turmkugel ist das prägende Bauteil des Berliner Fernsehturms. Sie besitzt einen Durchmesser von 32 Metern und umfasst sieben Geschosse. Im Inneren befinden sich Besucherbereiche, technische Anlagen sowie Räume für den Fernseh- und Rundfunkbetrieb.
Die Ingenieure konnten die Kugel nicht als geschlossenes Bauteil auf den Schaft setzen. Das tragende Stahlgerüst wurde deshalb zunächst am Boden vormontiert. Danach zerlegte man die Konstruktion in einzelne Segmente, hob sie mit Kränen auf das Tragepodest und setzte sie dort erneut zusammen.
Die äußere Hülle besteht aus trapezförmigen Edelstahlflächen, die zu pyramidenartigen Elementen geformt sind. Die facettierte Oberfläche gliedert die Kugel optisch und erzeugt abhängig von Licht und Blickrichtung unterschiedliche Reflexionen.
Weitere Nahaufnahmen der Kugel, des Schafts und der Fassadendetails finden Sie unter Bilder und Eindrücke des Berliner Fernsehturms.
Aussichtsplattform, Restaurant und Technikgeschosse
Die öffentlich zugänglichen Ebenen befinden sich im unteren Teil der Turmkugel. Die Aussichtsplattform liegt auf etwa 203,78 Metern Höhe. Ihr Durchmesser beträgt rund 24 Meter. Darüber befindet sich auf ungefähr 207,53 Metern das Drehrestaurant SPHERE Tim Raue, dessen Ebene einen größeren Durchmesser besitzt.
Oberhalb der Besucherbereiche liegen weitere Geschosse mit technischen Einrichtungen für den Fernseh- und Rundfunkbetrieb. Die Anordnung verbindet die touristische Nutzung mit der ursprünglichen Funktion des Bauwerks als Sendeanlage.
Die Turmkugel wiegt ungefähr 4.800 Tonnen. Einschließlich Schaft, Kugel und Antennenanlage beträgt die Gesamtmasse des Fernsehturms mehr als 31.000 Tonnen.
Antennenträger und Sendetechnik
Über der Turmkugel erhebt sich der rund 118 Meter lange Antennenträger. Zusammen mit dem Schaft und der Kugel erreicht der Berliner Fernsehturm eine Gesamthöhe von 368,03 Metern.
Der Turm wurde als Standort für Fernseh-, Radio- und weitere Funkdienste errichtet. Diese technische Funktion besteht bis heute fort. Die Antennenanlage wurde mehrfach an veränderte Übertragungsstandards angepasst; der Umbau von 1997 führte zur heutigen Gesamthöhe.
Die Kombination aus schlankem Stahlbetonschaft, kompakter Kugel und langem Antennenträger folgt damit nicht ausschließlich gestalterischen Überlegungen. Die Form ergibt sich auch aus den technischen Anforderungen an Tragwerk, Sendebetrieb und öffentlich zugängliche Räume.
Pavillonbauten und Freiflächen am Turmfuß
Der Standort des Fernsehturms war Teil der umfassenden Neugestaltung des Ost-Berliner Zentrums. Der Turm lag innerhalb einer geplanten „Zentralen Achse“, die von der Karl-Marx-Allee über den Alexanderplatz und die historische Mitte bis zum Brandenburger Tor reichen sollte.
Das Bauwerk erfüllte dabei zwei Aufgaben. Es sollte eine leistungsfähige Sendeanlage aufnehmen und zugleich die politische und technische Modernität der DDR sichtbar darstellen. Seine große Höhe und die reduzierte geometrische Form machten ihn aus weiten Teilen der Stadt erkennbar.
Nach Einschätzung des Landesdenkmalamts dokumentiert der Fernsehturm zugleich einen Wandel der DDR-Stadtplanung. An die Stelle früherer monumentaler Hochhausprojekte trat eine stärker technisch geprägte Architektur. Der Fernsehturm wurde dadurch zur vertikalen Dominante des neu gestalteten Stadtzentrums.
Der Fernsehturm als städtebauliche Dominante
Zur Architektur des Berliner Fernsehturms gehören auch die flachen Bauten rund um den Turmfuß. Die sogenannte Fußumbauung wurde von 1969 bis 1972 nach Entwürfen von Walter Herzog, Herbert Aust und Rolf Heider ausgeführt.
Die Pavillons besitzen geneigte und teilweise frei auskragende Dachflächen. Ihre horizontale Ausrichtung bildet einen bewussten Gegensatz zum senkrechten Turmschaft. Zugleich schaffen sie den Übergang zwischen dem großen technischen Bauwerk und dem Stadtraum auf Fußgängerniveau.
Die umgebenden Freiflächen wurden zwischen 1970 und 1973 gestaltet. Beete, Wasserkaskaden, Rosenflächen, Baumgruppen und Sitzbereiche folgen einem geometrischen Ordnungssystem, das auf die Ausrichtung des Turms und der Pavillonbauten Bezug nimmt.
Der Fernsehturm, die Fußumbauung und die Freiflächen bilden deshalb architektonisch und städtebaulich ein zusammenhängendes Ensemble.
Denkmal der DDR-Moderne
Der Berliner Fernsehturm wurde 1979 in der DDR als Denkmal anerkannt. Heute ist er gemeinsam mit der Fußumbauung und den umgebenden Freiflächen als Gesamtanlage in der Berliner Denkmaldatenbank verzeichnet.
Der Schutz bezieht sich damit nicht nur auf die weithin sichtbare Turmkonstruktion. Er umfasst auch die Pavillonbauten und die gestalteten Außenräume. Das Ensemble dokumentiert die technischen, architektonischen und städtebaulichen Vorstellungen der DDR in den 1960er und frühen 1970er Jahren.
Nach der deutschen Wiedervereinigung blieb der Fernsehturm ein zentraler Orientierungspunkt der Berliner Stadtsilhouette. Seine frühere politische Funktion und seine heutige Nutzung als Sendeanlage und Besucherort sind dabei voneinander zu unterscheiden, gehören aber gemeinsam zur Geschichte des Bauwerks.
Technische Daten des Berliner Fernsehturms
368,03 Meter
Gesamthöhe
- Bauzeit: 1965–1969
- Turmschaft: 248,78 m hoch
- Schaftdurchmesser: unten ca. 16 m, oben ca. 9 m
- Turmkugel: 32 m Durchmesser
- Aussichtsplattform: 203,78 m Höhe
- Drehrestaurant: 207,53 m Höhe
- Betonschaft: ca. 26.000 t
- Gesamtmasse: über 31.000 t
Weitere Maße und Grunddaten finden Sie im Steckbrief des Berliner Fernsehturms.
Häufige Fragen zur Architektur des Berliner Fernsehturms
Hier finden Sie kompakte Antworten auf häufige Fragen zur Architektur, Bauweise und technischen Konstruktion des Berliner Fernsehturms.
Wer hat den Berliner Fernsehturm gebaut?
Der Berliner Fernsehturm war ein staatliches Bauprojekt der DDR. Bauherr war das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der DDR; ausgeführt wurde der Turm durch den VE BMK Kohle und Energie, Betriebsteil Industrieprojektierung Berlin. Die Urheberschaft des Entwurfs ist nicht eindeutig geklärt. Zeitgenössische Veröffentlichungen nannten Fritz Dieter und Günter Franke als Entwerfer und Hermann Henselmann als künstlerischen Berater. Auch Gerhard Kosel beanspruchte später eine maßgebliche Rolle.
Wie hoch ist der Berliner Fernsehturm?
Der Berliner Fernsehturm ist heute 368,03 Meter hoch und damit das höchste Bauwerk Deutschlands. Bei seiner Fertigstellung betrug die Höhe ungefähr 365 Meter. Durch den Umbau der Antennenanlage im Jahr 1997 erhöhte sie sich auf 368,03 Meter.
Wann wurde der Berliner Fernsehturm gebaut?
Der Fernsehturm wurde zwischen 1965 und 1969 errichtet. Die Arbeiten am Fundament begannen im August 1965. Im Juni 1967 hatte der Stahlbetonschaft seine endgültige Höhe von 248,78 Metern erreicht. Nach der Montage der Turmkugel, des Antennenträgers und dem Innenausbau wurde der Turm 1969 in Betrieb genommen.
Wie wurde der Berliner Fernsehturm gebaut?
Zunächst entstand das ringförmige Fundament, darauf wurde der Stahlbetonschaft in Kletterbauweise errichtet. Das Stahlgerüst der Turmkugel wurde am Boden vormontiert, anschließend wieder in Segmente zerlegt und mit Kränen auf rund 200 Meter Höhe gehoben. Nach dem Zusammenbau der Kugel folgten Antennenträger und Innenausbau.
Warum wurde der Berliner Fernsehturm gebaut?
Der Fernsehturm wurde vor allem als leistungsfähige Sendeanlage für Fernsehen und Rundfunk errichtet. Zugleich war er Teil der Neugestaltung des Ost-Berliner Stadtzentrums und sollte als weithin sichtbare Höhendominante die Hauptstadt der DDR prägen.
Wie wurde die Kugel des Fernsehturms montiert?
Das tragende Stahlgerüst der Turmkugel wurde zunächst am Boden probeweise zusammengesetzt. Danach zerlegte man die Konstruktion in einzelne Segmente, hob diese mit Kränen auf das Tragepodest in rund 200 Metern Höhe und setzte sie dort wieder zusammen.
Wie groß ist die Turmkugel des Berliner Fernsehturms?
Die Turmkugel hat einen Durchmesser von 32 Metern und umfasst sieben Geschosse. In ihr befinden sich die Aussichtsplattform, das Drehrestaurant sowie technische Bereiche für den Sende- und Funkbetrieb.
Wie tief ist das Fundament des Berliner Fernsehturms?
Das ringförmige Fundament hat einen Außendurchmesser von rund 42 Metern. Die Gründung reicht je nach Bereich ungefähr 2,70 bis 5,80 Meter in den Boden. Wegen der tragfähigen Kies- und Sandschichten am Standort konnte das Fundament im Verhältnis zur Höhe des Turms vergleichsweise flach ausgeführt werden.
Den Berliner Fernsehturm von innen erleben
Bei einem Besuch können Sie die Turmkugel mit Aussichtsplattform und Restaurant betreten. Tickets sind an ein gebuchtes Zeitfenster gebunden. Informieren Sie sich vor der Buchung über Preise, Leistungen und verfügbare Termine.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Angaben zu Entwurf, Konstruktion, technischen Daten, Fußumbauung, Freiflächen und Denkmalschutz wurden anhand offizieller Betreiberinformationen, der Berliner Denkmaldatenbank und technischer Veröffentlichungen geprüft.
